"Die Aristokratie des Wortes"

Freiheit
Freiheit ist, wenn du nach mühevollen inneren Kämpfen an deine äußersten Grenzen angelangt, erkennen musst, dass deine wirkliche Freiheit jenseits dieser Grenzen liegt - dein bisheriges Leben war nur eine kleine und kümmerliche Begrenzung deiner eigenen Fähigkeiten.
© Bülent Kacan
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Aufzeichnung des WDR5 "Das philosophische Radio" mit Jürgen Wiebicke vom 20.11.2009
http://gffstream-3.vo.llnwd.net/c1/m/1258747975/radio/philosophischesradio/wdr5_das_philosophische_radio_20091120_2100.mp3
Von der Anerkennung
Anerkennung ist die ideale Spiegelung meines Selbst, welche ich im Falle einer positiv erbrachten Leistung in meinem Mitmenschen in vollkommener Weise zu sehen wünsche. Werde ich anerkannt in einer von mir positiv erbrachten Leistung, so spiegle ich mich in meinem Gegenüber positiv wieder, ich selbst finde mich in den Augen, im Antlitz und in den Aussagen meines Mitmenschen positiv erhöht und erwidert wieder, die Äußerung oder der Blick meines Gegenübers spricht zu mir in einer akzeptablen Weise, die ich als motivierend und bestärkend empfinde. Werde ich aber allein in meiner positiv erbrachten Leistung anerkannt, bezieht und beschränkt sich diese Anerkennung meines Mitmenschen folglich nur auf meine Leistung, ich selbst aber werde als Person und Individuum in meiner Ganzheit ganz und gar nicht wahr- und ernst genommen, so findet diese Anerkennung im Falle einer weniger erfolgreichen oder gar negativ erbrachten Leistung ein jähes und abruptes Ende. Findet diese Anerkennung aber im Falle einer nicht oder negativ erbrachten Leistung ein schnelles Ende, so kann und muss ich davon ausgehen, dass mich mein Gegenüber nicht als ganzheitlichen Menschen mit all meinen positiven wie negativen Seiten anerkennen und akzeptieren wollte. Folglich habe ich mich nur kurz, einseitig und unvollkommen in meinem Gegenüber gespiegelt, vielmehr hat mich mein Gegenüber ganz und gar nicht als ganzheitlichen Menschen erkennen und anerkennen wollen, ich selbst aber sollte fortan Abstand vor halbherzigen und einseitigen Anerkennungen halten.
© Bülent Kacan
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Aufzeichnung des WDR5 "Das philosophische Radio" mit Jürgen Wiebicke
http://gffstream-9.vo.llnwd.net/c1/m/1249067742/radio/philosophischesradio/wdr5_das_philosophische_radio_20090731_2100.mp3
Über die höhere Wahrheit
Für eine höhere Wahrheit ist der Mensch gegenwärtig nicht vorbereitet, es fehlt ihm nicht an Verstand oder an Geist, es mangelt ihm grundsätzlich an einer tieferen Einsicht in die universale Einheit aller Dinge hinter ihren vielfältigsten Erscheinungen, nicht, weil der Mensch von Natur aus blind wäre für das Wesentliche der Dinge oder taub und stumm, vielmehr leidet er an einer differenzierten Wahrnehmung, welche die Einheit dieser Welt in eine unendliche Vielzahl sich widersprechender und widerlegender Gegensätze spaltet, selbst seine Sprache ermöglicht ihm vorläufig nicht, die Zerrissenheit dieser Welt auch nur im Ansatz zu beheben, vielmehr potenziert der Mensch diese, sobald er sie an- und ausspricht, in eine Unvereinbarkeit ohnegleichen. Stille ist der Urgrund, in dem alle Dinge eine unberührte Einheit bilden, in dem alle Begriffe und Worte in einer stummen und schweigsamen Unvoreingenommenheit der Sprache träumen.
© Bülent Kacan
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Aufzeichnung des WDR5 "Das philosophische Radio" mit Jürgen Wiebicke
http://gffstream-6.vo.llnwd.net/c1/m/1246044334/radio/philosophischesradio/wdr5_das_philosophische_radio_20090626_2100.mp3
Der Fremde
Der Fremde ist immer derjenige, der mir befremdlich erscheint, weil er anders aussieht, einem anderen Gott huldigt oder eine andere Sprache spricht, die ich nicht verstehen kann, kurzum, der Fremde denkt, glaubt, spricht oder erscheint mir ganz anders, als ich mich selbst wahrnehme. Das Unverständnis ist hier das entscheidende Kriterium, denn was ich nicht verstehen kann, dass ängstigt mich und wovor ich Angst habe, dass vermeide oder bekämpfe ich, anders gesprochen, ich grenze den Fremden aus oder vertreibe ihn, jegliches aggressive Ausgrenzen und Anfeinden wurzelt in meiner Angst vor dem Fremden. Ich fürchte mich vor dem Fremden aufgrund seiner Fremdheit, er erscheint mir nicht als Mensch befremdlich, denn auch er ist ein Mensch wie du und ich, nur unterliegt sein Selbst- und Seinsverständnis einer anderen, mir fremd erscheinenden Existenzweise, die nicht der meinen entspricht. Wäre sie gleich oder ähnlich, so würde sie mir sympathisch erscheinen, ich würde mich dem Fremden allmählich öffnen, der Umfang meiner Toleranz ist beschränkt. Gerne schreibe ich dem Fremden Eigenschaften zu, die ich mir selbst nie zuschreiben würde, negative Zuschreibungen finden sich in meinen Vorurteilen wieder, sie helfen mir insbesondere in Krisenzeiten, ein positives Selbstbild zu bewahren. Und doch übt der Fremde eine ungeheure Suggestivkraft auf mich aus, er verkörpert das gänzlich Andere, das Exotische, jene alternative Existenzweise, die mich unheimlich reizt und zugleich unvermindert abstößt, in meinem ambivalenten Verhältnis dem Fremden gegenüber liegt das Potential jeglicher Form von Erkundung aber auch Eroberung und Vernichtung - Kolonialismus und Tourismus sind zwei Seiten ein und derselben Medaille.
© Bülent Kacan
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Cembaris - 3. Dez, 11:39



